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13.01.2012
, Stuttgart
Neuartiger, verstellbarer Metallring schließt undichte Herzklappen noch besser
Die Sana Herzchirurgie Stuttgart beteiligt sich mit weltweit vier Zentren an einer Studie zu einem neuen Operationsverfahren

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie implantieren Chirurgen der Sana Herzchirurgie Stuttgart Patienten mit undichten Herzklappen einen Metallring, der nach einem Stromimpuls seine Form ändern kann. Gelegentliche Restundichtigkeiten der Herzklappe, welche sich unabhängig vom Operationsergebnis einstellen können, werden so beseitigt. Ende August wurde erstmals weltweit in der Stuttgarter Herzklinik bei einer Patientin der weiter-entwickelte Klappenring nachjustiert und damit das Operationsergebnis weiter perfektioniert.

Kurzatmigkeit, Leistungsabfall und Brustschmerzen, das sind einige der Symptome unter denen Menschen leiden, deren Herzklappen verengt oder undicht sind. Können die Beschwerden durch Medikamente nicht mehr ausgeglichen werden, schafft eine Herzoperation Abhilfe. Insbesondere bei Defekten an der Mitralklappe, die den linken Vorhof von der linken Hauptkammer des Herzens trennt, können die Herzchirurgen die Herzklappe heute in den meisten Fällen reparieren und müssen sie nicht durch eine künstliche Klappe ersetzen. „Wir streben eine Rekonstruktionsrate von 90 Prozent an“, nennt Professor Dr. med. Nicolas Doll, Ärztlicher Direktor der Sana Herzchirurgie Stuttgart, das Ziel. „Dabei können wir inzwischen in den allermeisten Fällen Eingriffe zur Mitralklappen-Rekonstruktion minimalinvasiv durch einen kleinen, etwa fünf Zentimeter messenden Schnitt an der rechten Brustkorbseite durchführen.“ Die für den Patienten belastende Öffnung des gesamten Brustkorbes ist nicht mehr erforderlich.

„Für die Rekonstruktion der Mitralklappe gibt es je nach Defekt inzwischen verschiedene erprobte Operationsmethoden“, erläutert Oberarzt Dr. Markus Czesla. „In jedem Fall aber wird ein ummantelter Metallring um die Klappe gelegt und dort eingenäht.“ Der Ring sorgt dafür, dass die Klappensegel in der richtigen Position gehalten werden, gut schließen und so den Rückfluss des Blutes verhindern. Für diese Klappenringe hat ein US-Hersteller ein neuartiges Produkt entwickelt, das bereits im Jahr 2008 an vier deutschen – darunter die Sana Herzchirurgie Stuttgart – und einem US-amerikanischen Zentrum im Rahmen einer Machbarkeitsstudie bei über 40 Patienten eingesetzt wurde – mit vielversprechenden Ergebnissen. Der neue Klappenring besteht aus einer speziellen Metalllegierung, die ihre Form verändert, wenn der Ring mit einem Hochfrequenz-Stromimpuls aktiviert wird. „Am Ende des Eingriffs prüfen wir mit Ultraschall, ob die Herzklappe dicht schließt“, berichtet Dr. Czesla. Aufgrund der im Fachgebiet Herzchirurgie inzwischen großen Erfahrungen mit Herzklappenrekonstruktionen ist die Klappe in den meisten Fällen dicht. In wenigen Fällen, etwa bei sehr stark vorgeschädigten Herzklappen, zeigen sich jedoch noch geringe Restundichtigkeiten, deren Ursache organbedingt ist und die sich unabhängig vom Operationsergebnis einstellen können. „Mit dem neuen Klappenring können wir dann dessen Form ändern, die Klappensegel dadurch etwas weiter zusammendrücken und so die Restundichtigkeit von außen beseitigen.“

Besonders interessant für die Herzklappenreparatur wurde der neuartige Klappenring nun aber mit der Weiterentwicklung Anfang des Jahres. Bei den bislang im Rahmen der Studie eingesetzten Ringen wurde das Kabel, mit dem der Stromimpuls in den Ring eingeleitet wird, am Ende der Operation entfernt. Künftig wird das Kabel am weiterentwickelten Ring im Körper des Patienten verbleiben. Das Kabelende wird dabei direkt unter der Haut fixiert. Auch Monate oder Jahre nach der Operation kann der Ring dann noch aktiviert und von außen verändert werden. „Vor allem Patienten, deren Herzklappendefekt im Zusammenhang mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, der koronaren Herzkrankheit steht, profitieren davon“, urteilt Dr. Czesla. Denn gerade bei diesen Patienten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Herzklappen im weiteren Lebensverlauf erneut undicht werden. Mit dem neuartigen Klappenring wird dieser recht großen Patientengruppe so eine zweite Operation erspart. Immerhin leidet ein Viertel der Patienten mit Herzinsuffizienz auch unter einer defekten Mitralklappe.

Im Rahmen der Folgestudie wurden im letzten Jahr zwölf Patienten mit dem weiterentwickelten Klappenring in der Sana Herzchirurgie Stuttgart versorgt. Ende August wurde bei einer Patientin erstmals weltweit der Klappenring unter Echokontrolle und Durchleuchtung im neuen Hybrid-Operationssaal der Stuttgarter Klinik aufgrund einer wiederkehrenden Klappenundichtigkeit nachjustiert. Bereits nach einer Nacht in der Klinik konnte die Patientin wieder entlassen werden. Patientin und Tochter freuen sich über die wieder gewonnene Lebensqualität.


Die Sana Herzchirurgie Stuttgart GmbH (SHS) gehört mit 66 Betten, vier OP-Sälen, einem Hybrid-OP-Saal und jährlich rund 2.000 am Herzen operierten Patienten zu den ausgewiesenen Hochleistungszentren für Herz-medizin in Deutschland – das bedeutet ca. sieben Operationen täglich. Die Klinik ist damit eine der drei fallzahlstärksten Herzchirurgien in Baden-Württemberg und unter diesen dreien die einzige, welche sämtliche herzchirurgische Behandlungsformen (mit Ausnahme der Transplantationen) für alle Altersstufen vom Neugeborenen bis zum über 90-jährigen Patienten anbietet. Diese in Baden-Württemberg einzigartige Spezialisierung und Erfahrungsbreite kommt den Patienten und ihrer Versorgungsqualität in Form einer auf das jeweilige Krankheitsbild zugeschnittenen individuellen Therapie zugute.


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