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Lisa Marie: Komplizierte Herzoperation gleich nach der Geburt

Die zweieinhalbjährige Lisa Marie ist ein rechter Wirbelwind. Mit ihrem achtjährigen Bruder tobt sie durch die Wohnung und hält ihre Eltern ganz schön auf Trab. "Das war schon während der Schwangerschaft so", erzählt Christa Seitz. "Bei einem Frauenarzttermin hat sie sich so bewegt und gestrampelt, dass kein Ultraschall möglich war." Wer das aktive, fröhliche Mädchen sieht, glaubt nicht, dass sie gleich nach der Geburt eine komplizierte Herzoperation über sich ergehen lassen musste und es nicht sicher war, ob sie die ersten Tage überleben würde.

Dass Lisa Marie mit einem Herzfehler auf die Welt kommen würde, darauf hatte der Pränataldiagnostiker Professor Dr. Gunter Mielke die Eltern schon vor der Geburt vorbereitet Bei den umfangreichen pränatalen Untersuchungen hatte er im Ultraschall eine Verengung der Aorta am Herzen des Ungeborenen entdeckt. Das sei mit einem Herzkathetereingriff zu beheben, hatte Professor Mielke die Eltern beruhigt. Doch es sollte schlimmer kommen.

Nach der Kaiserschnittgeburt in der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart schien das kleine Mädchen ganz gesund zu sein. Sie schrie gleich ordentlich los und die erste Untersuchung brachte keinen negativen Befund. Zur Vorsicht wurde ein Kinderarzt aus dem Olgahospital hinzugezogen. Er nahm die kleine Lisa Marie zu weiteren Untersuchungen mit in die Kinderklinik. "Von da an lief alles ab wie in einem Film", erinnert sich Vater Bruno Seitz an die folgenden Stunden, in denen sich die Ereignisse überschlugen. Erst im Nachhinein habe er die Dramatik wirklich begreifen können. Er begleitete seine Tochter ins Olgahospital, während die Mutter in der Frauenklinik bleiben musste. "Das war natürlich ganz besonders schlimm, gleich von ihr getrennt zu werden und nicht recht zu wissen, was nun ist", sagt Christa Seitz.

Ein weiteres Loch im Herzen wird entdeckt

Nach ersten Untersuchungen im Olgäle war klar, dass der angeborene Herzfehler umfangreicher war als vermutet. Das ganze Ausmaß zeigte die Herzkatheteruntersuchung: Zu dem vermuteten Vorhofseptumdefekt kam noch ein weiteres Loch im Herzen, ein Ventrikelseptumdefekt. Außerdem war der hintere Aortenbogen viel zu klein geblieben und weitgehend verschlossen (Stenose). Bruno Seitz fuhr zurück in die Frauenklinik und informierte seine Frau.

"Nachmittags um 16.30 Uhr kam dann der Anruf aus dem Olgäle, ich solle gleich kommen. Lisa Marie müsse rasch operiert werden. Spätestens da war klar, dass es schlimm stand", erzählt Bruno Seitz. Im Olgahospital wartete Dr. Alexander Horke auf ihn. Der Kinderherzchirurg aus der Sana Herzchirurgischen Klinik Stuttgart (SHS) und seine Kolleginnen und Kollegen kommen regelmäßig mit einem kompletten OP-Team ins Olgäle, um dort in einem speziell ausgerüsteten Operationssaal Herzoperationen bei Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Die Kinder können so vor und nach der Operation von den Kinderärzten im Olgäle versorgt werden. Rund 150 kinderherzchirurgische Operationen führen die Spezialisten der SHS pro Jahr im Olgahospital durch. Meist geht es dabei um die Korrektur angeborener Herzfehler - so wie bei Lisa Marie.

Nachdem ihm die Kinderkardiologen des Olgäle den Herzfehler bereits in allen Details erläutert hatten, erhielt Bruno Seitz von Dr. Horke ausführliche Informationen über die dringend nötige große Herzoperation. "Dr. Horke hat sich viel Zeit genommen und mir die Möglichkeiten der Operation genau erläutert", berichtet Bruno Seitz, für den schließlich klar war: "Dem vertraue ich mein Kind an."

Nicht alle Defekte können bei der ersten Operation behoben werden

"Bei Lisa Marie hatten wir eine schwierige Situation", erinnert sich Dr. Horke an die Operation am folgenden Tag. Das Mädchen war da gerade einen Tag alt und wog 3.000 Gramm. In der mehrstündigen Operation rekonstruierten er und sein Team zunächst den Aortenbogen. "Dabei war es uns wichtig, ohne Fremdmaterial auszukommen." Auch der Vorhofseptumdefekt wurde behoben. Das zweite Loch im Herzen, der Ventrikelseptumdefekt, konnte allerdings nicht geschlossen werden. "Das Kind und damit die Situation am Herzen waren einfach noch zu klein", erläutert Dr. Horke. Außerdem wurde der Brustkorb noch nicht vollständig verschlossen, um dem durch die Operation geschwollenen Herzen Platz zu lassen.

Am nächsten Tag besuchten die Eltern ihre Tochter das erste Mal auf der Intensivstation des Olgahospitals. "Ich musste meine Tochter einfach sehen", erzählt die Mutter, die sich eigentlich in der Frauenklinik von der Kaiserschnittgeburt erholen sollte. Den Eingriff hatte Lisa Marie offenbar gut überstanden. Sie trank sogar etwas Muttermilch. Auch der kinderkardiologische Oberarzt Dr. Tillmann Eberle, der sie auf der Intensivstation betreute, war zufrieden und verabschiedete sich in den Urlaub.

Ein wenig beruhigter fuhr Christa Seitz wieder in die Frauenklinik. Ärzte und Schwestern der Intensivstation hatten ihr noch versichert, sie könne jederzeit anrufen und sich nach ihrer Tochter erkundigen. "Dennoch war ich besorgt und unruhig und habe nachts um 2 Uhr auf der Intensivstation angerufen." Am Apparat war Dr. Eberle, der sie zunächst beruhigte. "Als der Oberarzt, der doch eigentlich im Urlaub sein sollte, bei meinem Anruf um 6 Uhr wieder am Telefon war, war ich doch sehr beunruhigt." In der Nacht hatte sich Lisa Maries Zustand dramatisch verschlechtert. Es habe "auf Messers Schneide gestanden", so Dr. Eberle. "Solch ein gravierender Umbau am Herzen muss von dem kleinen Körper erst einmal verkraftet werden", erläutert Kinderherzchirurg Dr. Horke. Alle anderen Organe müssen sich an die neue Situation anpassen. So musste Lisa Marie einige Zeit an die Dialyse, weil die Nieren nach der Operation zunächst nicht einwandfrei arbeiteten.

Lisa Maries Zustand stabilisiert sich, täglich geht es ihr besser

Für die Eltern waren diese ersten Tage nach der Operation besonders schlimm. "Wir waren zeitweise total verzweifelt", berichtet Christa Seitz, die es in der Frauenklinik zwischen den Müttern mit ihren gesunden Babys nicht mehr ausgehalten hatte und auf eigenen Wunsch früher als geplant nach Hause entlassen worden war. "Aber wir wurden auch von allen begleitet und gestützt." Vor allem vom Pflegepersonal und den Ärzten auf der Intensivstation im Olgäle fühlten sich die Eltern mit ihrem kranken Kind sehr gut betreut. "Schwestern und Ärzte sind mit ganz viel Geduld mit den Eltern umgegangen. Alle waren sehr professionell, immer ruhig und ohne Hektik. Das schafft Vertrauen." Nach einer Woche hatte sich Lisa Maries Zustand stabilisiert und die Kinderherzchirurgen konnten auch den Brustkorb der kleinen Patientin wieder verschließen. Von da an ging es ihr von Tag zu Tag besser.

Drei Wochen musste Lisa Marie auf der Intensivstation bleiben, anschließend noch zwei Wochen auf der Normalstation K4. Dann endlich konnten Christa und Bruno Seitz ihre Tochter mit nach Hause nehmen. Zunächst benötigte sie noch Medikamente, schließlich waren auch die nicht mehr nötig und Lisa Marie entwickelte sich ganz normal weiter. "Wenn die Operation gut verläuft, hatte Dr. Horke vorher schon gesagt, dann hat der Herzfehler bald keine Auswirkungen mehr", erzählt Bruno Seitz. Allerdings war Lisa Marie in den folgenden Monaten sehr anfällig für Infektionen. Gleich am Anfang steckte sie sich bei ihrem Bruder mit Windpocken an. Und da war immer noch das zweite Loch im Herzen, das bei der ersten Operation nicht verschlossen werden konnte. Nach den ersten Ultraschalluntersuchungen schien es, als werde dieser Defekt von selbst verheilen. Irgendwann aber war dann doch klar, dass eine zweite Operation nötig ist. So operierte Dr. Horke gut zwei Jahre nach dem ersten Eingriff Lisa Marie erneut. "Auch diese Operation verlief sehr gut, so dass damit alle angeborenen Herzfehler korrigiert sind", berichtet der Herzchirurg. Diesmal gab es auch keine Komplikationen, so dass Lisa Marie bald wieder nach Hause konnte, wo sie sich schnell erholte.

Herzfehler bei Neugeborenen sind Launen der Natur

Die Eltern sind dankbar und glücklich, dass alles überstanden und Lisa Marie nun ganz gesund ist. "Das war eine sehr schwere Zeit für uns", sagt Christa Seitz. Auch für die Beziehung sei es eine Bewährungsprobe gewesen: "Ohne eine starke Beziehung muss es in einer solchen Situation krachen." Und natürlich hat sich die Mutter Gedanken gemacht, warum gerade ihre Tochter mit einem so schweren Herzfehler geboren wurde. "War ich mit 43 Jahren schon zu alt für ein zweites Kind, habe ich mich gefragt". Aber in der Klinik hat sie Mütter erlebt, die deutlich jünger waren und deren Kinder ebenfalls mit einem Herzfehler geboren wurden. Herzfehler bei einem Neugeborenen, so weiß sie heute, sind Launen der Natur und vom Alter der Mutter bei der Geburt unabhängig. "Ich glaube, dass ich heute, nach dieser persönlichen Erfahrung, in meinem Beruf anders arbeite", sagt Bruno Seitz, der als Stadtmusikdirektor mit vielen Menschen zu tun hat. "Ich kann heute vieles gelassener nehmen und mit manch kleinen und großen Problemen sachlicher umgehen, weil ich eher den Blick für das Wesentliche habe."

Dankbar ist Familie Seitz vor allem auch für die gute Betreuung, die sie auf der Intensivstation des Olgahospitals erfahren hat. Bruno Seitz hat deshalb seine musikalischen Kontakte eingespannt und ein großes Benefizkonzert organisiert. Die Stadt Metzingen stellte dafür die Stadthalle zur Verfügung. Und so spielten am 27. Oktober 2006 insgesamt 105 Musiker im Alter von acht bis 20 Jahren, die sich für das Konzert zum Jugendblasorchester des Ermstales zusammengeschlossen hatten, ein buntes Musikprogramm von Klassik über Volksmusik bis Pop. 13.000 Euro kamen bei dem Konzert zusammen. Das Geld wurde, ebenso wie der Reinerlös einer eigens produzierten DVD, der Intensivstation des Olgäle gespendet.

 

 
 
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Letzte Aktualisierung: 06.08.2008
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